Dr. Ing. Simon Merkt-Schippers, Director Business Development Aviation & Aerospace bei SLM Solutions gibt einen exklusiven Einblick

Die Luft- und Raumfahrt ist eine der Hauptindustrien der additiven Fertigung und hat in den letzten Jahren stark zum Wachstum des industriellen Metall-3D-Drucks beigetragen. Simon Merkt-Schippers, Director Business Development Aviation & Aerospace bei SLM Solutions gibt Einblicke in die Aerospace Industrie und die hohen Anforderungen der Branche.

Herr Merkt-Schippers, was ist so faszinierend an der Luft- und Raumfahrt?

„Durch die hohen Anforderungen und die Wettbewerbsintensität in der Branche werden innovative Technologien schnell angenommen und ausprobiert. Dieser Mut und Innovationsgeist macht uns als Anbieter der SLM® Technologie sehr viel Spaß. Die Vorstellung, dass Bauteile aus unseren SLM® Maschinen im Flugzeug und im Weltraum eingesetzt werden, ist für mich einfach faszinierend und zeigt den Fortschritt der Additiven Fertigung zu einem industriellen Fertigungsverfahren.“

Welche aktuellen Entwicklungen sehen Sie derzeit in der Aerospace Branche?

„Neben dem Leichtbau und der Funktionsintegration von Bauteilen, sind die Produktionskosten ein Dauerthema. Einige für die addtive Fertigung geeigneten Bauteile scheitern leider heute an den Kosten, die entlang der additiven Prozesskette auftreten. Neben der Luftfahrtindustrie befindet sich die Raumfahrt, speziell der Trägermarkt, derzeit in einem starken Wandel. Der Wettbewerb intensiviert sich und das erhöht natürlich auch den Preisdruck. Interessant ist, dass sich kleinere Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil verschaffen können, indem sie unsere SLM® Technologie flexibel einsetzen.“

Welche Anforderungen an die Bauteile sind in der Branche wichtig?

"Die Materialanforderungen in der Luft- und Raumfahrt sind extrem hoch, da es sich in den meisten Fällen um sicherheitskritische Bauteile handelt. Darüber hinaus gilt es, die Produktionskosten zu senken –  das ist im Moment eine der wichtigsten Anforderungen, um gegen konkurrierenden Verfahren anzutreten. Wir können mit der additiven Fertigung Einsparungen verschiedener, teurer Fertigungsschritte erreichen: Nicht unüblich ist es zum Beispiel mehrere Funktionen in einem Bauteil zu kombinieren. Fügeprozesse werden dann überflüssig. Die Zertifizierung der Bauteile wird dadurch zusätzlich vereinfacht. Auch dadurch lassen sich Kosten sparen. Herausfordernd ist vor allem, dass einzelne Bauteile bei möglichst wenig Gewicht, den hohen Belastungen auch standhalten. Das ist insbesondere mit der SLM® Technologie möglich.“

Können Sie ein konkretes Anwendungsbeispiel nennen?

„Ja, sehr gerne. Hier fällt mir direkt die monolithische Schubkammer des Raketentriebwerks von CellCore ein. In Zusammenarbeit mit CellCore wurde das hochkomplexes Demontratorbauteil entwickelt, in dem die Vorteile und Möglichkeiten der additiven Fertigung sehr gut präsentiert sind. In diesem konkreten Fall vereint das Raketentriebwerk integrales Design, also die Zusammenfassung der zahlreichen Einzelkomponenten in einem Bauteil, mit multifunktionalem Leichtbau. Dieses Projekt zeigt, wie erfolgreich und wie wichtig die additive Fertigung in der Branche ist."

Herr Merkt-Schippers, Sie sprachen vorhin von den hohen Anforderungen in der Luft- und Raumfahrt. Was macht SLM Solutions konkret um diesen Anfoderungen begegnen zu können?

„Um qualitativ hochwertige Bauteile produzieren zu können sind natürlich robuste Maschinen notwendig. Wir bieten mit der SLM®280, der SLM®500 und der SLM®800 mehrere Maschinen an, die für die Serienfertigung von Bauteilen geeignet sind. Durch die patentierte Multi-Laser Technologie können die Produktionskosten in vielen Fällen drastisch reduziert werden und neue Business Cases werden wirtschaftlich. Durch ausgiebige Soft- und Hardwaretests vor und nach Auslieferung der Maschine stellen wir die Maschinenfähigkeit unsere Anlagen sicher.

Wir bieten aber nicht nur Maschinen an, sondern ganzheitliche Fertigungslösungen und unterstützen entlang der gesamten Prozesskette - von der Softwarelösung über Qualitätssicherungstools bis hin zu Schulungs- und Beratungsangeboten. Kunden bieten wir dabei eine maßgeschneiderte, auf ihre Bauteile abgestimmte Prozesskette an. Dazu involvieren wir je nach Projekt passende Partner aus den Bereichen Qualitätskontrolle, Software und Bauteilnachbearbeitung. Außerdem unterstützen auch unsere internen Applikationsexperten.

Zusätzlich haben wir spezielle für die Flugzeug- und Raumfahrtindustrie ausgelegte Pulvermaterialen in unserem Angebot. Dazu gehören Nickel-Superlegierungen (IN719, IN625, HX), Titan- und Aluminiumlegierungen sowie abgestimmte Fertigungsparameter, die die gängigen Materialanforderungen der Luftfahrt erfüllen."

Sie werden dieses Jahr für SLM Solutions an der Paris Airshow teilnehmen. Was dürfen die Besucher vom Ihrem Messeauftritt erwarten?

„Uns ist es sehr wichtig, dass potenzielle Kunden auf Veranstaltungen von den vielen positiven Anwendungsbeispielen mit der additiven Fertigung in der Luft- und Raumffahrt erfahren und wie SLM Solutions auf dem Weg zu einem erfolgreichen Einsatz der SLM® Technologie unterstützt. Auf der Pairs Airshow werden wir uns deswegen als umfassender Lösungsanbieter präsentieren und das komplette Produktporfolio entlang der gesamten Prozesskette vorstellen.

Darüber hinaus ist es wichtig zu verdeutlichen, welche umfassenden Maßnahmen SLM Solutions ergreift, um die Luftfahrtanforderungen vor und nach der Auslieferung der SLM® Maschinen zu erfüllen. Durch aufwendige Software- und Hardwaretests stellen wir sicher, dass jede ausgelieferte Maschine den Kunden- und Branchenanforderungen entspricht und bereits bestehende Fertigungsprozesse auf weitere Maschinen übertragen werden können.

Ich lade alle Interessierten herzlich dazu ein, uns am Messestand C 354, Halle 2c zu besuchen. Übrigens kann dort auch die monolithische Schubkammer des Raketentriebwerks, das gemeinsam mit CellCore entwickelt und gefertigt wurde, bestaunt werden. Ich freue mich auf viele interessante Gespräche!"